Krimi schreiben: Welche Software 2026 wirklich funktioniert (und welche dich bremst)
Krimi oder Thriller schreiben mit Software: Was du wirklich brauchst — und was nur aussieht wie eine Hilfe. Ein ehrlicher Blick von jemandem, der gerade selbst einen Thriller fertigstellt.
Von Novumdraft
Inhalt
Ich schreibe gerade an einem Thriller. Er spielt in drei Städten, hat eine Ermittlerin, einen Antagonisten, zwei Opfer, eine Nebenhandlung um eine verschwundene Schwester und aktuell 73.000 Wörter Rohtext. Das Projekt ist genau komplex genug, um mich zum ersten Mal wirklich zu fragen: Welches Werkzeug benutze ich dafür eigentlich?
Die ehrliche Antwort ist: Ich habe Novumdraft dafür gebaut. Insofern bin ich nicht neutral. Aber bevor ich angefangen habe, habe ich die alternativen Werkzeuge durchprobiert — und will in diesem Artikel möglichst fair aufschreiben, was ich dabei gelernt habe. Nicht als Werbetext, sondern als Handbuch für jemanden, der gerade vor der gleichen Frage steht wie ich damals: Reicht Word? Brauche ich Papyrus? Soll ich Scrivener auf Englisch benutzen?
Was Krimi- und Thriller-Prosa von anderer Prosa unterscheidet (und warum das für die Tool-Frage zählt)
Ein Liebesroman verzeiht einiges. Wenn die Hauptfigur in Kapitel 4 braune Augen hat und in Kapitel 21 grüne, merkt das niemand außer den hartnäckigsten Leserinnen. Ein Krimi verzeiht das nicht.
Spannungsliteratur lebt von Konsistenz über Strecken: Wer wusste wann was? Wo war die Ermittlerin am Dienstagabend? Hat der Verdächtige in Kapitel 7 wirklich gesagt, er war zu Hause, oder war das sein Bruder? Und Spannungsliteratur lebt von Pacing: Das Unbehagen muss wachsen, ohne dass der Leser es merkt. Die ruhige Szene vor dem Knall darf nicht zu lang sein. Der Knall darf nicht zu früh kommen.
Diese beiden Eigenschaften — Konsistenz-Last und Pacing-Präzision — sind das, woran Software helfen kann oder nicht helfen kann. Alles andere (Formatierung, Rechtschreibung, Export) ist nachrangig.
Die vier Kandidaten, die wirklich zur Debatte stehen
Es gibt gefühlt hundert Werkzeuge, aber für deutschsprachige Krimi-Autoren kommen realistisch vier in Frage:
- Word / LibreOffice — was 70 % tatsächlich benutzen.
- Papyrus Autor — der deutsche Platzhirsch, €199.
- Scrivener — der internationale Platzhirsch, keine echte deutsche Version.
- Novumdraft — was ich selbst schreibe, in jedem Sinne des Wortes.
Es gibt weitere (Patchwork, DramaQueen, yWriter), aber sie haben entweder andere Zielgruppen oder sind für Krimi-Arbeit nicht stark genug ausgelegt.
Word: Warum es bis ca. 20.000 Wörtern reicht, und ab dann bricht
Viele fangen mit Word an, und das ist völlig legitim. Solange dein Krimi unter 20.000 Wörtern bleibt (Novelle, Kurzkrimi), kannst du alles im Kopf halten, Notizen in eine zweite Datei schreiben, Figuren-Steckbriefe per Hand führen, und es funktioniert.
Der Bruch kommt, wenn das Manuskript länger wird. Drei typische Symptome:
- Du scrollst mehr, als du schreibst. Irgendwas mit dem Polizeirevier-Adresse wolltest du in Kapitel 3 notieren, jetzt findest du die Stelle nicht mehr.
- Deine Figuren-Notizen veralten. Du hast dir aufgeschrieben, dass Kommissarin Weber 42 ist, aber in einer Szene machst du sie versehentlich zur frühen Vierzigerin, in einer anderen zur Mittvierzigerin — und zwei Kapitel später stellst du fest, dass du ihr nie ein Alter gegeben hast, weil du die Notiz nie aktualisiert hast.
- Du verlierst den Plot-Überblick. Welche Szenen hatte ich schon? Wo genau war nochmal der dritte Hinweis?
Wenn du diese Symptome bemerkst, ist es Zeit für ein Tool, das nicht nur Text verwaltet, sondern Beziehungen zwischen Dingen im Text.
Papyrus Autor: Was es gut macht, was es nervig macht
Papyrus Autor ist deutsch, seit Jahrzehnten gepflegt, und für viele erfahrene Krimi-Autoren die natürliche Wahl. Die Figurendatenbank ist solide, die Stilanalyse ist ein echtes USP, und wenn du mit der Oberfläche klarkommst, bekommst du viel.
Was es für Krimi-Arbeit schwierig macht:
- UI-Overhead: Die Software macht ihre Stärken (viele integrierte Werkzeuge) auch zu einer Schwäche. Die Oberfläche fühlt sich für viele wie Word aus 2010 an, mit zusätzlichen Leisten. Das kostet mentale Energie, die du beim Schreiben eines Krimis eigentlich für den Plot brauchst.
- Manuelle Figurenpflege: Jede Figur legst du selbst an. Beim zwölften Nebencharakter wird das mühsam. Die Aktualität der Figurenkarten hängt davon ab, dass du disziplinierter bist als dein Schreibrausch.
- Kein echtes Multi-Device: Primär Windows, auf dem Mac eingeschränkt, iPad-Nutzung ist nicht komfortabel. Das ist ein Problem, wenn du auf der Couch schreibst und im Zug weiterdenkst.
Papyrus ist kein schlechtes Werkzeug. Es passt nicht zu jedem.
Scrivener: Sprachbarriere bleibt ein Problem
Scrivener ist international der Goldstandard für lange Fiction-Projekte. Für Krimi-Autoren, die auf Englisch schreiben, ist es oft erste Wahl. Für deutsche Autoren ist die Sache komplizierter.
Scrivener hat eine deutsche Sprachoberfläche. Aber die inhaltliche Arbeit mit deutschem Text hat schwache Stellen — Wörterbücher, Rechtschreibprüfung, und vor allem: die Software ist nicht mit deutscher Grammatik im Hinterkopf gebaut. Du merkst das an Kleinigkeiten, die sich summieren. Mehr dazu, falls dich der Scrivener-Winkel interessiert, auf unserer Seite zur Scrivener-Alternative auf Deutsch.
Der andere Scrivener-Schmerzpunkt für Krimi-Autoren: Scrivener ist ein CMS für dein Buch. Mappen, Ordner, Unterordner, Metadaten. Sehr mächtig. Aber du verwaltest ständig. Die Schreibumgebung selbst ist eher Mittel zum Zweck.
Novumdraft: Für was ich es gebaut habe — und was es (noch) nicht ist
Ich habe angefangen, Novumdraft zu bauen, weil ich genau diese Frustration hatte: Ich wollte eine Schreibumgebung, die sich leer anfühlt wie iA Writer oder Ulysses, aber die mir meine Figuren, Orte und Szenen-Verknüpfungen automatisch baut, während ich schreibe.
Konkret für Krimi- und Thriller-Arbeit:
- Automatisches Entity-Linking: Ich schreibe „Weber parkte vor dem Revier". Weber ist im Hintergrund als Figur erkannt und mit der Stelle verknüpft. Klicke ich später auf Weber in der Übersicht, sehe ich alle Szenen, in denen sie vorkommt. Ohne dass ich Formulare ausfülle.
- Szenen-statt-Kapitel-Modell: Du kannst einen Krimi als Folge von Szenen planen und neu anordnen, statt in Kapiteln zu denken, die zu früh festgezurrt sind.
- Pacing- und Kontinuitäts-Views: Wo verlangsamt sich der Text? Wann war Figur X das letzte Mal on-page? Hat jemand in Kapitel 12 etwas gesagt, was er in Kapitel 3 noch nicht wissen durfte? Das sind die Checks, die ein manueller Stilprüfer nicht macht.
Ehrlicher Zwischenruf: Das automatische Entity-Linking ist für deutsche Prosa anspruchsvoll (Deklinationen, Spitznamen, Koreferenz). Es funktioniert gut im Regelfall, hat aber Grenzen. Wir sagen das auf der Produktseite explizit, und du kannst Verknüpfungen jederzeit manuell nachziehen oder abschalten. Mir ist wichtiger, dass das Werkzeug dich beim Schreiben ehrlich behandelt als dass es Marketing-Versprechen macht.
Praktische Empfehlung, je nach Situation
- Du schreibst deinen ersten Krimi, Länge unter 30.000 Wörtern: Word / LibreOffice reicht. Investiere Zeit ins Plot-Denken, nicht ins Tool-Denken.
- Du schreibst einen ausgewachsenen Krimi oder Thriller (ab ca. 60.000 Wörtern), bist auf Windows, liebst Lektorats-Features: Papyrus Autor.
- Du schreibst auf Englisch oder bist Scrivener-erfahren und willst dort bleiben: Scrivener.
- Du willst eine leichtere, moderne Schreibumgebung und bist bereit, ein jüngeres Tool auszuprobieren: Novumdraft — 30 Tage kostenlos.
Was keine Software ersetzt
Zum Schluss eine Einschränkung, die alle Tool-Artikel enthalten sollten, aber meistens nicht enthalten: Kein Werkzeug schreibt dir den Krimi. Das richtige Tool nimmt dir Reibung ab. Das falsche Tool macht aus einer schwierigen Aufgabe (guter Krimi schreiben) eine doppelt schwierige (guter Krimi schreiben UND gegen die Software kämpfen).
Die eigentliche Arbeit ist: den Aufbau planen, die Figuren real machen, den roten Faden nicht verlieren, am Ende die Spannung halten. Wenn dich eine Software bei einem dieser vier Punkte konkret entlastet, lohnt sie sich. Wenn sie nur anders aussieht, lohnt sich der Umstieg nicht.
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